Rollout und Skalierung

Der Pilot funktioniert fast immer. Der Übergang in den Regelbetrieb ist die Stelle, an der es scheitert.

Ein gelungener Pilot beweist wenig. Er läuft mit Freiwilligen, die Interesse mitbringen, in einem überschaubaren Team und mit persönlicher Begleitung. Der Rollout hat keine dieser Eigenschaften – und genau deshalb bricht dort die Adoptionsrate ein, oft von über 80 Prozent im Piloten auf unter 30 in der Fläche.

Skalieren heißt deshalb nicht, mehr Lizenzen zu kaufen. Es heißt, die drei Dinge zu ersetzen, die im Piloten die Person geleistet hat, die ihn betreut hat: Ansprechbarkeit, Beispiele aus dem eigenen Arbeitsalltag und die Erlaubnis, Zeit für das Ausprobieren aufzuwenden.

Für wen: Geschäftsführung, Projektleitung, Personalentwicklung, IT-Leitung

Das Multiplikatorenmodell

Der wirksamste Hebel für die Adoptionsrate sind Ansprechpartner in den Abteilungen – nicht in der IT. Menschen fragen jemanden aus dem eigenen Arbeitsbereich, dessen Aufgaben sie kennen, und sie fragen ihn eher als ein Ticketsystem.

  • Eine Person je Abteilung oder je etwa 30 Mitarbeitende benennen.
  • Ausdrücklich Zeit dafür einräumen – eine Stunde pro Woche, sichtbar im Kalender.
  • Die Multiplikatoren zuerst und gründlicher schulen als alle anderen.
  • Sie regelmäßig zusammenbringen: Was fragen die Leute? Was funktioniert nicht?
  • Beispiele aus dem eigenen Betrieb sammeln lassen – sie überzeugen mehr als jede allgemeine Anleitung.

Lizenzen gestuft vergeben

Bis etwa 250 Mitarbeitende ist die pauschale Vergabe an alle meist günstiger als die Verwaltung von Ausnahmen. Darüber kehrt sich das um: Bei 2.500 Seats kostet eine Vollausstattung zu 25 Euro rund 750.000 Euro im Jahr, und ein erheblicher Teil davon entfällt auf Personen, die das Werkzeug nie öffnen.

  • Stufe 1 – Vollzugang für Rollen mit hohem Textanteil: Vertrieb, Marketing, Personal, Sachbearbeitung, Projektleitung.
  • Stufe 2 – Basiszugang für gelegentliche Nutzung, wo ein kostenfreier oder günstigerer Tarif genügt.
  • Stufe 3 – kein Zugang, aber ein dokumentierter Weg, einen zu beantragen.
  • Nach sechs Monaten anhand der tatsächlichen Nutzung nachjustieren, statt die Erstverteilung fortzuschreiben.

Kennzahlen für den Rollout

  • Adoptionsrate: Anteil der Lizenzinhaber mit wöchentlicher Nutzung. Die wichtigste Zahl überhaupt.
  • Zeit bis zur ersten produktiven Nutzung nach Zugangsvergabe.
  • Zahl der Anwendungsfälle im Regelbetrieb – wächst sie nicht, bleibt es beim Einzelfall.
  • Kosten pro aktivem Nutzer statt pro Lizenz.
  • Rückmeldungen der Multiplikatoren als qualitative Ergänzung zu den Zahlen.

Woran Rollouts typischerweise scheitern

  • Es gab eine Einführungsveranstaltung und danach nichts mehr.
  • Die Beispiele stammten aus Marketingmaterial statt aus dem eigenen Betrieb.
  • Niemand hatte erkennbar Zeit, Fragen zu beantworten.
  • Die Regeln kamen erst nach dem Zugang – und wurden als Misstrauen gelesen.
  • Es wurde nie gemessen, weshalb nach einem Jahr niemand sagen konnte, ob es sich gelohnt hat.

Schritt für Schritt

  1. 1

    Multiplikatoren benennen und schulen

    Vor dem Rollout, nicht parallel. Die Multiplikatoren müssen die Fragen beantworten können, bevor sie gestellt werden.

    • Je Abteilung eine Person benennen, mit Zustimmung der Führungskraft
    • Zeitbudget verbindlich festlegen
    • Vertiefte Schulung durchführen
    • Regelmäßigen Austausch terminieren

    Ergebnis: Ein Netz von Ansprechpartnern in der Fläche

  2. 2

    Regeln und Zugänge gleichzeitig ausrollen

    Nutzungsregel, Schulung und Zugang gehören in denselben Schritt. Kommt die Regel später, wirkt sie wie eine nachträgliche Einschränkung.

    • KI-Richtlinie fertigstellen und gegebenenfalls mit dem Betriebsrat abstimmen
    • Grundschulung planen und dokumentieren
    • Zugänge nach Lizenzstufen vergeben

    Ergebnis: Zugang, Regel und Kompetenz zum selben Zeitpunkt

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    Abteilungsweise ausrollen

    Nicht alle gleichzeitig. Zwei bis drei Abteilungen pro Welle, damit die Multiplikatoren mitkommen und Erfahrungen in die nächste Welle einfließen.

    • Reihenfolge nach Textanteil der Tätigkeiten festlegen
    • Je Welle konkrete Anwendungsfälle vorbereiten
    • Nach jeder Welle nachsteuern

    Ergebnis: Ein Rollout, der aus sich selbst lernt

  4. 4

    Messen und nachjustieren

    Nach drei und nach sechs Monaten die Adoptionsrate erheben und die Lizenzverteilung daran anpassen.

    • Nutzungsdaten auswerten – aggregiert, nicht personenbezogen
    • Lizenzstufen anpassen
    • Abteilungen mit niedriger Nutzung gezielt begleiten statt zu ermahnen

    Ergebnis: Belastbare Zahlen und angepasste Kosten

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Häufige Fragen

Was ist eine realistische Adoptionsrate bei KI-Tools?
Ohne begleitende Maßnahmen liegt die regelmäßige Nutzung erfahrungsgemäß bei 20 bis 40 Prozent der Lizenzinhaber. Mit Multiplikatoren, Schulung und Beispielen aus dem eigenen Betrieb sind 60 bis 80 Prozent erreichbar. Dieser Unterschied wirkt sich stärker auf die Wirtschaftlichkeit aus als jede Werkzeugwahl.
Wie viele KI-Champions braucht ein Unternehmen?
Als Faustregel eine Person je Abteilung oder je etwa 30 Mitarbeitende. Wichtiger als die Zahl ist, dass die Rolle mit einem sichtbaren Zeitbudget hinterlegt ist – eine Benennung ohne Zeit bleibt folgenlos.
Sollte man KI schrittweise oder für alle gleichzeitig einführen?
Schrittweise, in Wellen von zwei bis drei Abteilungen. Ein gleichzeitiger Rollout überfordert die Ansprechpartner, und die Erfahrungen der ersten Gruppe können nicht mehr in die nächste einfließen. Ausnahme sind sehr kleine Betriebe, bei denen die Unterscheidung ohnehin entfällt.
Was tun, wenn die Nutzung nach dem Start einbricht?
Zuerst nachsehen, ob es an Zugang, Kompetenz oder Anlass fehlt – die drei Ursachen erfordern völlig verschiedene Antworten. Fehlt der Anlass, hilft weder Schulung noch Ermahnung: Dann ist im Prozess-Check kein Anwendungsfall gefunden worden, der die betreffende Abteilung wirklich betrifft.

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